Seelenberührende Reise

 

Der Grund, warum Redner oder Vortragende, wie jetzt die Geschichtenerzählerin Johanna Gerosch ihr Augenmerk besonders auf mir als Zuhörerin liegen haben, liegt in meiner offenen hochsensiblen Seele. 

 

Mit großen Augen hänge ich wie ein kleines Kind an ihren Lippen und lasse mich auf Johannas Reise mitnehmen. Die Reise zu ihrer Insel, eine Insel, die in uns allen innewohnt. Die Sehnsucht selbst diese Insel sehen zu dürfen ist unendlich. Genau deshalb schafft Johanna es auf ihre besondere Art und Weise uns zu berühren. Sie zupft an unserer Seele und und legt Wünsche offen. 
 

Ich spüre den Wind, der die Wellen bewegt, schmecke das Salz auf meinen Lippen und lasse mich auf ihre Reise über das Meer mitnehmen. Fast anmutig gleitet das Schiff durch die Wellen und mit einer ebensolchen Bewegung ihres Armes trägt mich Johanna hinfort. Sie entführt mich in eine Welt voller Harmonie. Eine Welt, in der die Natur, Mutter Erde, oder wie Johanna es nennt, die Gottheiten des Wassers und des Himmels sich einig sind. In dieser Ausgeglichenheit lebt der Mensch und nimmt immer nur so viel, wie er braucht. Bis die unheilvolle Gier einzieht. Die schönen Bilder in meinem Kopf zerplatzen wie Seifenblasen. An die Stelle des immergrünen, Wasser spendenden Baumes treten ausgetrocknete Wüsten. Das friedvolle Miteinander mit den Tieren wird zerstört in der qualvollen Ausbeutung derselben. Der Himmel bringt nicht zu bändigende Stürme und das Meer ist voller Plastik. 

 

Wir flüchten von dieser Insel in einem Zeitensprung und landen mitten in Berlin. Die Stadt pulsiert laut und grell. Der Prunk glitzert und versucht die Armut in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Doch die Schatten der Bettler in den Prachtstraßen sind nicht zu übersehen. Das Gleichgewicht zwischen den Menschen ist längst nicht mehr in Balance. Die Umwelt ist aus den Fugen geraten. Etliche Tierarten hat der Mensch bereits ausgerottet und ist auf dem besten Wege dies mit seiner eigenen Spezies gleichzutun. Er ist blind vor Ehrgeiz alles besitzen zu wollen und fürchtet nicht den Unterschied zwischen einem Erdling und einem Marsianer. Doch der Schein einer künstlich geschaffenen Natur wird einer realen immer nur nahekommen. 
 

Deshalb folgen wir besser unserer Vision. Unserem Traum von der Insel, die ein jeder von uns bereits als Kind mit wenigen Strichen gemalt hat und die wir auf ewig in unserem Herzen tragen. Einmal im Jahr versuchen wir unseren Traum zu verwirklichen. Wir buchen all inklusive in einem fernen Land, vielleicht am Meer. Dort sitzen wir dann und lauschen der Brandung. Unsere Gedanken tragen uns fort und wir sind geneigt ihnen zu glauben. 

Hierin liegt die Wahrheit begraben. Genau so wie die Insel, von der Johanna uns erzählt, gibt es unsere kleine Insel. Wir haben sie nur aus den Augen verloren. Aber in unserem Herzen ist sie fest verankert. Jeder Mensch sehnt sich nach Frieden, Glück und Liebe. All das macht uns aus. Wir meinen das Glück nur auf unserer Insel zu finden. Streben so zwanghaft danach, dass wir es zeitlich begrenzen und in Form von Fotos festzuhalten versuchen. Bis uns der Alltag wieder einholt.  
 

Was aber, wenn wir jeden einzelnen Tag auf unserer Insel sein könnten? Der Zauber, der Johannas Worten innewohnt, kann die Magie in uns wecken. Sensibilität heißt das Losungswort. Sich nicht vom vorgegebenen Rhythmus einlullen zu lassen, sondern selbst kreativ zu werden. Mit allen Sinnen sich und seine Umwelt wahrzunehmen, statt verschlossenen Auges den vermeintlichen Zielen nachzuhechten. Mit Geld kann man vieles kaufen, jedoch keine Gefühle. Ohne Emotionen wird der Mensch zur Maschine. Kalt, ohne Herz. Die künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch und ersetzt bereits jetzt den Menschen in diversen Bereichen. Die Forscher sind geneigt, diesen Robotern eigenes Denken und Emotionen beizubringen. Wie viel wertvoller ist es, dem Menschen zu erlauben, ihn anzuleiten seine Gefühle ausleben zu dürfen? 

Hochsensible tun dies unbewusst, ecken damit oft an, aber können nicht anders. Das, was anderen Menschen fehlt, erfahren sie in mehrfacher Intensität. Manchmal ist es kaum auszuhalten, viele andere Male einfach nur schön. Eine Annäherung und Akzeptanz von beiden Seiten sind wünschenswert. Ein gemeinsamer Aufenthalt auf der Insel ein Traum, der wahr werden kann. Wenn jeder Einzelne sich auf das Menschsein besinnt, auf das, was den Menschen wirklich ausmacht.
  

Deshalb fordere ich jeden, der das liest, auf, sein Gegenüber so zu behandeln, wie er selbst behandelt werden möchte. Auf seine Umwelt so zu achten, wie er leben möchte. Respekt und Dankbarkeit sind nicht nur Worte, sondern können mit tiefster Überzeugung gelebt werden. Auch auf der Insel.
 

Meinen Dank, der von ganzem Herzen kommt, für die wundervolle Begegnung an die Geschichtenerzählerin Johanna Gerosch, die mich zu diesen Worten inspiriert hat. Wer sich von ihr auf eine Reise mitnehmen lassen möchte, findet sie hier: http://johannagerosch.de/ 

 

(November 2018) 

 

Was wäre der Mensch ohne seine Sinne? 

Wir erblicken, begreifen, fühlen, hören, riechen oder schmecken unsere Welt. Das macht den Menschen aus. Würden sie uns weggenommen, hätten wir nichts mehr, woran wir uns festhalten können. 

 Blind, taub, stumm, ohne die Nuance eines Geruchs, der vielleicht eine Erinnerung bringen könnte, ohne verführerischen Geschmack würden wir in einer endlosen Schwärze verharren.

Eine grauenhafte Vorstellung. Deren wir uns aber immer wieder bewusst werden sollten. 
 Denn wir bewegen uns sehenden Auges durch diese Welt, ohne wirklich zu erkennen. 
 Wir dröhnen uns zu mit dem Lärm der Umgebungsgeräusche, ohne sie bewusst wahrzunehmen. 
 Essen wird achtlos heruntergeschlungen oder gar weggeworfen, statt das Mittel zum Leben in seiner Vielfalt zu würdigen, denn die Zeit ist knapp.
 Künstliche Düfte, überall gut verpackt, hindern uns daran den natürlichen Geruch wahrzunehmen. Alles wird überlagert. 
 Wir haben verlernt hinzuhören, wenn andere Wesen mit uns kommunizieren. Zu viele eigene Gedanken beschäftigen uns und wollen heraus. 

 Soziale Distanz verhindert das menschliche Bedürfnis nach Nähe, nach Berührungen. 

Wir leben in einer Welt, in der „höher – schneller – besser“ uns und unsere Ressourcen aktuell gegen die Wand fährt.

Und da kommen die besonders feinfühligen Menschen ins Spiel. Sie haben das ausgeprägte Einfühlungsvermögen für die notwendige Balance zu sorgen.

Sie sehen nicht nur mit den Augenn, sondern erfassen das, was sich dahinter verbirgt. 
 Sie hören die feinen Zwischentöne.
 Sie riechen und schmecken in einer Intensität, die fast unerträglich ist.

 Für einen normalfühligen Menschen ist die Explosion an Eindrücken nur ansatzweise nachvollziehbar. Wenn man ihn zum Beispiel unter Drogen setzen würde. Was keineswegs eine Aufforderung sein soll. Dieses Empfinden wäre nicht zu eigen, sondern nur künstlich erzeugt. Und kommt nur annähernd an die Emotionen eines hochsensitiven Menschen heran.

Am Ausgeprägtesten ist die Gefühlswelt eines Hochsensiblen, die manchmal zum Wirbelsturm anschwellen und nur durch die Stille oder den Rückzug wieder geglättet werden kann.

Die jeweilige Ausprägung aller Sinne ist auch bei den Feinfühligen unterschiedlich. Jeder ist individuell. Doch viele haben gelernt, in der Masse mitzuschwimmen. Sie wollen nicht auffallen - aus der Rolle fallen, die die Gesellschaft dem Individuum Mensch zugedacht hat.
Jetzt allerdings ist es mehr als zuvor die richtige Zeit für sich und andere einzustehen. Durch ihre feine Gabe des Zwischenmenschlichen können Feinfühlige das Ungleichgewicht wieder geraderücken. Sie können nicht nur den harmonischen Umgang miteinander vorleben, sondern auch die Achtsamkeit mit der Natur. Denn ihr sind sie oft auf eine intensive Art tef verbunden.

Deshalb lasst uns zurückbesinnen, was das Menschliche ausmacht - mit all seinen Sinnen. Mit Empathie. Kostet es aus und erkennt euch selbst, lernt wieder genau hinzusehen. Auch das, was hinter der Fassade ist. Hört bei einem Gegenüber das, was er nicht sagt. Begegnet euch mit Respekt und Wertschätzung. Denkt und handelt wieder mehr mit eurem Herzen. Damit die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleibt. Denn sie ist das Wichtigste, was uns ausmacht.